Sonntag, 6. Oktober 2013

Rezension: Die Listensammlerin

Lena Gorelik - Die Listensammlerin


Seiten:  352

Inhalt:

Oft weiß Sofia nicht aus noch ein: An das Dasein als Mutter hat sie sich noch nicht gewöhnt, ihre kleine Tochter wird bald am Herzen operiert, Sofias überfürsorgliche Mutter ist mehr Last als Hilfe, und ihre alte Großmutter dämmert dement vor sich hin. Nur ihre Leidenschaft, Listen anzulegen – Listen der peinlichsten Kosenamen, der witzigsten Neurosen, der schlimmsten Restaurants etc. –, bringt ein wenig Ordnung in Sofias Leben. Da macht sie in der großmütterlichen Wohnung eine Entdeckung: eine andere Listensammlung, in vergilbte Hefte notiert, in kyrillischer Schrift – die Familie hat in den Siebzigern die Sowjetunion verlassen. Über diesen Fund stößt Sofia auf einen geheimnisvollen Onkel, von dem nie jemand sprach: Onkel Grischa, ein Querkopf und schräger Vogel, der sich im Untergrund betätigt hat, der alle in Gefahr brachte und den trotzdem alle liebten. Anhand der Listen spürt Sofia Grischas dunkler Geschichte nach und entdeckt, was die Vergangenheit für das Jetzt und für sie bedeuten kann … «Die Listensammlerin» erzählt mitreißend und mit herrlich originellen Figuren die Geschichte von Grischa und Sofia. Ein oft komischer, warmer und lebensnaher Familienroman, der gar nicht so einfache Fragen stellt: was Familie, Nähe und Fremdsein bedeuten – und wer man selber ist.

Rezension: 

Die Protagonistin Sofia hat eine eher seltene Leidenschaft, die schreibt, pflegt und sammelt Listen! Über die verschiedensten Dinge schreibt sie Listen, vervollständigt sie und wird deswegen von ihrer Familie für etwas eigenartig gehalten, doch dann findet Sofia eine Kiste mit Listen im Schrank ihrer kranken Großmutter ... doch von wem sind diese Listen??

Das Buch ist eigentlich mehr oder weniger eine leicht geheimnisvolle Familiengeschichte, Sofia weiß kaum etwas über ihren verschollenen Vater, ihre Großmutter lebt im Altersheim und bekommt nicht mehr all zu viel mit, ihre Tochter ist schwer krank ... doch als die Listen eines ihr unbekannten Onkels auftauchen schwenkt das Buch immer mal wieder in die Vergangenheit und der Leser wandert in den Kapiteln immer mal wieder hin und her ... 
Mal erleben wir mit Sofia einen Tiefschlag nach dem anderen, und im nächsten Kapitel geht man mit Grischa zu einer Beerdigung eines Dichters oder plant geheimnisvolle Aktionen ... man kann bei den Sprüngen aber immer gut mitkommen, da sie auch in verschiedenen Schriften geschrieben sind!

Generell haben mir die Teile von Grischa besser gefallen, bei ihm war mehr los, was mich interessierte und ich fand ihn sympathischer, Sofia hingegen ist mir etwas zu anstrengend, obwohl sie mich am Ende dann doch noch von sich überzeugen konnte, weil sie ihr Leben doch noch etwas in den Griff bekommt ... 

Das Buch lässt sich, trotz der vielen, teils komplizierten Situationen gut lesen, die Autorin hat einen tollen Stil, der nichts beschönigt (z.B. die Situation der Oma im Altenheim) und doch schön erzählend ist und kreativ! 
Manchmal kommen dann auch wirklich Listen vor, die die Protagonisten geschrieben haben, das finde ich eine schöne Idee!

Auch wenn das Ende doch sehr offen ist, finde ich es genau passend, vor allem weil durch kleine Gesten im Buch, dann doch eine mögliche Antwort auf die offenen Fragen gegeben wird ...



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